Die Zeit rennt an uns vorbei.
1-2-3- im
Sauseschritt;
es eilt die Zeit –
wir eilen mit!
So hat mein Freund,
der Willy Busch, einst treffend formuliert.
Diese Weisheit schmeckt mir immer ein wenig bitter.
Eine besondere Etappe des Regimentes geht zu Ende, weil es
kaum noch aktive Kameraden gibt.
Wir Nachfolgenden müssen umdenken und überlegen wie wir
unsere Arbeit neu definieren können.
Das letzte Kameradschaftstreffen, welches für mich
gleichzeitig das Erste war welches ich, in Vertretung meines Vaters besuchte,
ist ein Ende und gleichzeitig ein Neubeginn.
Einigen Anderen wird es vielleicht ähnlich ergangen sein wie
mir.
Schon im Vorfeld und auf der Anreise musste ich immer an
meinen Vater denken, der sich oft mit Wehmut wünschte einmal wieder mit seinen
Regimentskameraden zusammen zu treffen, oder wenigstens das Regimentsbuch
einmal lesen zu dürfen. (Er wusste nicht, dass es mehrere Bücher gab.)
Beide Wünsche waren für ihn als ehemaliger DDR – Bürger
nicht erfüllbar.
Sie zeigten aber die Verbundenheit und zwingende
Kameradschaft, die damals während des Krieges im Panzerregiment 35 bestand und
auch unbedingt notwendig war.
Gerade in den letzten
Kriegsmonaten, als alles durcheinander ging vergrößerte sich die Angst durch
die Feldgendarmerie, die ständig auf „Heldenklau“ war, aufgegriffen und in eine
neue unbekannte Einheit gesteckt zu werden.
Auf die alten Kameraden war Verlass. Die begaben sich wie
selbstverständlich in Lebensgefahr um einen bedrängten Kameraden aus der
Schusslinie zu bergen.
Die neuen unbekannten Soldaten einer anderen Einheit, die
man nicht kannte waren verständlicherweise nicht so schnell bereit ihr Leben
für einen Unbekannten in Gefahr zu bringen.
Mit diesem Wissen kann man sich gut in die damalige
Situation versetzen.
(Aber auch über die heutige Zeit nachdenken!)
Man bekommt Verständnis und Achtung vor den Leistungen
unserer Väter und allen anderen Soldaten auf beiden Seiten der Front.
Bedauerlich ist für mich, dass ich beim Treffen so wenig
Zeit hatte alle besser kennen zu lernen und ausgiebig ihre Motive zu erfahren,
ihre Geschichten zu hören.
Ein Gewinn aber war es die beiden Aktiven Fritz
Schneider und Otto Eidloth zu sehen und zu sprechen.
Besonders beeindruckt hat mich Fritz Schneider. Er ist ja
ein besserer Entertainer als Thomas Gottschalk, wie die Kostprobe seiner
Ausführungen bewies.
Ich kann mir jetzt vorstellen, dass er seine 8. Kompanie mit
Intelligenz, aber wohl auch mit Verständnis und Humor geführt hat.
Ich habe Achtung vor diesem Mann.
Erwähnen möchte ich noch, dass ich beim Besuch der Frau des
Kommandeurs der 1. Abteilung Pzrgt.35 Hauptmann Schulz, beim Blättern durch
dessen Fotoalbum erneut ein Bild meines Vaters gefunden habe.
Wenn es dem Hauptmann Schultz wichtig war dieses Foto neben die
Bilder seiner Offiziere zu kleben, so spricht das für sich.
Mein Vater, wäre darauf stolz
gewesen, und jetzt freue ich mich darüber.
Durch den Besuch unseres Treffens verstehe ich nun auch die
vielen Erzählungen meines Vaters besser und sehe sie in einem anderen Licht.
Trotz der Kürze der Zeit war unser Treffen ein Gewinn.
Wenn sogar unsere Mitglieder aus Amerika anreisen, dann
spricht das besonders deutlich für die Wichtigkeit dieser Aktion.
Bleibt mir allen Organisatoren und Beteiligten ein
herzliches Dankeschön zu sagen.
Das waren ein paar ungeordnete Gedankensplitter.
Und nun schauen wir wieder nach vorn.
Oder um es mit der Devise der ersten Abteilung des Panzerregiment
35 zu sagen:
„Nicht wanken, nicht
schwanken!
Nur einen Gedanken:
„Vorwärts und durch!“